Naturschutz

Die Schutzhütte Ingolstädter Haus, Kategorie I  der DAV Sektion Ingolstadt liegt im Steinernen Meer in ca. 2119 m Seehöhe in einem sensiblen Karstgebiet. Sie ist von Mitte Juni bis Anfang Oktober bewirtschaftet.

Abwasserkonzept Ingolstädter HausIn den Jahren 2001 und 2002 wurde die Schutzhütte von Siemens Building Technologies als Generalunternehmer mit einer neuen Wasserversorgung sowie einer den Behördenauflagen entsprechenden Abwasserreinigungsanlage ausgestattet.

Schutzhütten auf den umwelttechnisch letzten Stand zu bringen, erfordert eine genaue Kenntnis des Zusammenspiels der energietechnischen und abwassertechnischen Komponenten mit der jeweiligen Umweltsituation. Die einzelnen Komponenten müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass ein störungsfreier und wirtschaftlicher Betrieb der Schutzhütte gewährleistet werden kann.

Dies ist nur möglich, wenn Systemspezialisten aus den Gebieten Energieversorgung, Nutzung alternativer Energien wie Solartechnik, Wasserversorgung und Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung, Fernüberwachung und Datenfernübertragung, etc. zusammen arbeiten und gemeinsam Problemlösungen erarbeiten.

Wasserversorgung

Das Ingolstädter Haus ist auf die Speicherung von Schmelz- und Regenwasser angewiesen. Es steht kein Quellwasser zur Verfügung. Der Wasserverbrauch beträgt ca. 500 m³ pro Saison. Bisher herrschte ab Anfang September in der Regel Wassermangel. In den neuen betonierten Wasserbehältern können ca. 80 m³ Wasser für die Trockenperiode, in der kein Schmelzwasser mehr gewonnen werden kann, bevorratet werden.

WasserversorgungDas gewonnene Rohwasser wird vor der Lagerung in den Wasserbehältern über eine entsprechende Filteranlage gereinigt und mittels einer UV-Entkeimungsanlage aufbereitet. Anfallendes Überwasser wird in den alten Wasserbehältern gesammelt und als Brauchwasser verwendet.

Vor der weiteren Verwendung wird das in den Wasserbehältern gespeicherte Wasser erneut über eine Filtereinheit geführt, teilentsäuert und in einen Frischwasserspeicher im Dachgeschoss gepumpt. In die Leitung zu den Entnahmestellen ist eine weitere UV-Entkeimungsanlage mit Überwachungseinheit eingebaut. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass nur einwandfreies, entkeimtes Wasser entnommen werden kann.

Zusätzlich wurde der bereits vorhandene Wasserspeicher im Dachgeschoss zu einem Brauchwasserspeicher umfunktioniert. Dieser versorgt die WC-Spülungen und kann wechselweise mit Regen/Überschusswasser aus dem alten Wasserbehälter oder bei Wassermangel mit gereinigtem Abwasser aus der biologischen Abwasserreinigungsanlage befüllt werden.

Durch diese Maßnahmen kann eine optimale und wirtschaftliche Wasserversorgung der Schutzhütte gewährleistet werden.

Abwasserreinigung

AbwasserreinigungEs wurde ein Abwasserreinigungssystem nach einem von der Firma ARJOBAS in Zusammenarbeit mit SIEMENS entwickelten Verfahren gewählt, welches bei der Inbetriebnahme möglichst bald die biologische Abbauleistung erreicht, Stoßbelastungen abbauen kann und die behördlich geforderten hohen Reinigungsleistungen von 97 % BSB5 und 94,5 % CSB erfüllt.

Die Reinigung der anfallenden Abwässer erfolgt in mehreren Stufen:

  • Die Küchenabwässer werden auf kürzestem Weg über einen mit Mikroorganismen beimpften Fettabscheider mit kontinuierlicher Zugabe von Mikroorganismen geführt.
  • Die anfallenden Schmutzwässer aus den Toiletten, Pissoirs und das Grauwasser werden in einem mechanischen Feststoffabscheider  von Feststoffen befreit und aerob durch organischen Massen- bzw. Nährstoff-Abbau in übereinander gestapelten, parallel aufgestellten SIEMENS-ARJOBAS Festbett-Tropfkörpern vollbiologisch gereinigt. Der Abbau findet in einer kontrollierbaren, be- und entlüfteten Gebäudeumgebung statt.

Feststoffe werden ausgepresst, mit Mikroorganismen und Strukturmittel versetzt und in kürzester Zeit in Edelstahl Rotteboxen kompostiert. Die Zugabe von Mikroorganismen und Strukturmittel gewährleistet eine rasche und kontrollierte Kompostierung der Feststoffe.

Im Anschluss an die biologische Stufe wird das biologisch gereinigte Abwasser einer 3-stufigen, insgesamt 18 m langen Bodenfilterpassage zur Keimreduktion zugeführt. Anschließend versickert das gereinigte Abwasser im Blockwerk.

Bei Wassermangel wird das vollbiologisch gereinigte Abwasser zur Toilettenspülung weiterverwendet.

Förderung

  • Bundesministerium für Land und Forstwirtschaft – Wien
  • Land Salzburg
  • Deutscher Alpenverein
  • Stadt Ingolstadt

Projekt

  • Planung Wasserversorgung und Abwasserentsorgung: Büro Dr. Gerhard Cordt, Zell am See
  • TGA-Planung: Siemens Building Technologies Gesmbh&Co OHG, Linz
  • Generalunternehmer: Siemens Building Technologies Gesmbh&Co OHG, Linz
  • Bauherr: DAV Sektion Ingolstadt
  • Projektleitung: Herbert Thummerer

 

Herbert Thummerer
1984 bis 2011 Hüttenwart Ingolstädter Haus
Projektleitung Wasserversorgung u. Abwasserreinigung
für Ingolstädter Haus und Riemannhaus